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Steigende Heizkosten lassen Passivhaus-Besitzer kalt

Steigende Heizkosten Passivhaus-Besitzer


Von Alexander Hauk

Frankfurt/Darmstadt/Ellwangen (aha). Wenn Margit und Bernd Mildenberger von ihrem Haus erzählen, klingt das beinahe wie eine Liebeserklärung: „Wir haben immer frische Luft, nie kalte Füße und sind sehr zufrieden mit unserem Haus.“ Das Außergewöhnliche an ihrem Haus sind die geringen Heizkosten, gerade mal etwa 120 Euro pro Jahr. Das Ehepaar aus dem baden-württembergischen Ellwangen wohnt mit seinen drei Kindern und einem Hund seit sechs Jahren in einem so genannten Passivhaus. Diese Häuser sind so gebaut, dass sie rund 80 Prozent weniger Heizenergie als gewöhnliche Neubauten benötigen und deshalb auch ohne ein herkömmliches Heizsystem mit Heizkörpern in jedem Raum auskommen.

„Ein Passivhaus ist ein Gebäude, das von der Sonne, von der Wärme, die Bewohner und Haushaltsgeräte abstrahlen, sowie von zurück gewonnener Wärme aus der Abluft warm gehalten wird“, erklärt Hariolf Brenner. Der Architekt aus Ellwangen hat bereits 25 Passivhäuser gebaut. Extrem gedämmte Wände und große, dreifach verglaste Fenster halten die Wärme im Gebäude. Zusätzlich wird in einem Passivhaus schlau gelüftet: Die Frischluft fließt vom Erdreich – je nach Jahreszeit vorgewärmt oder gekühlt – ins Haus, wird durch einen Wärmetauscher an der Abluft vorbeigeführt und erreicht als steter und wohl temperierter Frischluftstrom die Wohnräume.

„Der Heizwärmebedarf in einem Passivhaus liegt bei maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr“, berichtet der Leiter des Passivhaus Instituts in Darmstadt, Dr. Wolfgang Feist. Umgerechnet in Heizöl entspricht das rund 1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Zum Vergleich: Gewöhnliche Neubauten brauchen rund sieben Liter Öl pro Quadratmeter und Jahr. „Unsanierte Altbauten brauchen sogar zwischen 15 und 20 Litern Öl“, so Feist. Ein Passivhaus benötige weniger als zehn Prozent der Heizwärme eines durchschnittlichen Gebäudes, so Feist.

Auch bei extremen Minusgraden bricht in einem Passivhaus keine Eiszeit aus. Wenn Sonnen-, Geräte und Körperwärme nicht mehr ausreichen, springt automatisch eine Zuheizung an. Gewöhnlich ist das eine Wärmepumpe, die elektrisch erhitzt wird. Etwa zwei bis drei Wochen im Jahr werden Passivhäuser mit dieser Zusatzheizung erwärmt. Sie wird – so seltsam es auch zunächst klingen mag – nicht an Tagen mit extremen Minusgraden benötigt, sondern an Tagen um die null Grad. Das hängt damit zusammen, dass es an diesen meist trüben Tagen auch mit der solaren Energieausbeute recht trübe aussieht.

Mehr als 6000 Passivhäuser in Deutschland

Das erste Passivhaus in Deutschland wurde 1991 in Darmstadt gebaut. „Mit diesem Gebäude wurde bewiesen, dass eine starke Verringerung des Heizwärmeverbrauchs machbar ist, berichtet Feist. Inzwischen gebe es bundesweit mehr als 6000 Passivhäuser – Tendenz steigend: Pro Jahr kommen rund 2000 weitere hinzu. „Ein Passivhaus bietet einen hohen Wohnkomfort bei extrem niedrigen Energiekosten“, so Feist.

Dennoch stehen viele Bauherren Passivhäusern immer noch skeptisch gegenüber. Vorurteile gebe es vor allem im Zusammenhang mit der kontrollierten Be- und Entlüftung, die für Passivhäuser unerlässlich sei, berichtet Brenner: „Da werden häufig Lüftungsanlagen fälschlicherweise mit Klimaanlagen gleichgesetzt“, so der Passivhaus-Experte. Verbreitet ist laut Brenner auch die Vorstellung, dass sich in einem Passivhaus die Fenster nicht öffnen lassen: „Auch das ist falsch.“ Weil die Frischluft über die Lüftungsanlage ins Haus strömt, können die Fenster in der Regel aber tatsächlich geschlossen bleiben. Vor allem Allergiker wissen die automatische Lüftungsanlage zu schätzen: Ein Filter sorgt für eine saubere Luft im Passivhaus.

„Die Technik, die in einem Passivhaus steckt, ist jahrelang erfolgreich erprobt worden und längst alltagstauglich“, sagt Brenner. Von herkömmlichen Häusern unterscheiden sich Passivhäuser vor allem durch ihre extreme Wärme-Isolierung sowie ausgeklügelte und sorgfältige Bauausführung. Eine futuristische Bauweise oder -form sei aber nicht nötig, so Brenner. Äußerlich können sie wie herkömmliche Mehr-, Einzel- oder Reihenhäuser gestaltet werden. „Sowohl in Massiv- oder Leichtbauweise, aus Holz, Stahl, Beton und Glas.“ Inzwischen gibt es Büro- und Industriegebäude, Schulen und Turnhallen mit Passivhausstandard.

Selbst denkmalgeschützte Gebäude lassen sich dank ständig neuer Entwicklungen bei Dämmstoffen mit Passivhauskomponenten sanieren. Vor allem die so genannte
Vakuum-Isolations-Paneele (VIP) eröffnet neue Möglichkeiten. Diese Vakuumdämmung hat im Vergleich zu herkömmlichen Dämmstoffen eine zehnmal höhere Dämmwirkung und benötigt mit einer Dicke von vier Zentimetern deutlich weniger Platz. Die häufig verwendete Mineralwolle hat hingegen bei gleicher Dämmwirkung eine Stärke von 30 Zentimetern.

Passivhäuser nicht teurer als vergleichbare Neubauten

Zwar gibt es inzwischen Passivhäuser, deren Bau nicht teurer war, als vergleichbare Neubauten. In der Regel kostet ein Passivhaus im Rohbau aber erst einmal fünf bis acht Prozent mehr als ein herkömmliches Gebäude. Dennoch sind die Ersparnisse im Vergleich zu den Mehrkosten so groß, dass sich der Bau nach Ansicht von Dr. Wolfgang Feist von Anfang an rechnet. „Wer ohnehin ein Haus baut, muss für ein Passivhaus pro Quadratmeter nur knapp 100 Euro mehr ausgeben“, so Feist. Bei der Sanierung eines Altbaus würden pro Quadratmeter zusätzlich knapp 150 Euro Mehrkosten fällig. Architekt Hariolf Brenner schätzt, dass sich die Mehrkosten nach rund zehn Jahren vollständig amortisiert haben.

Passivhaus-Bauherren werden bei ihrer Investition von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit zinsgünstigen Krediten unterstützt. „Nie war ökologisches Bauen, Sanierung und Neubau so günstig wie jetzt“, sagt KfW-Sprecher Alexander Mohanty in Frankfurt. Die maximale Fördersumme pro Wohneinheit beträgt
50.000 Euro. Je nach Kreditdauer liegt der jährliche Zinssatz zwischen 3,19 Prozent bei einer Laufzeit von zehn Jahren und 3,8 Prozent bei 30 Jahren (Stand: 7. Juni 2006).

Um in den Genuss der Förderung zu kommen, müssen Bauherren ihren Antrag vor Baubeginn bei ihrer Hausbank stellen. Außerdem müssen durch Kostenvoranschläge die Ausgaben, wie auch durch einen Energieberater die Passivhaus-Standards nachgewiesen werden. Aufgrund der niedrigen Zinsen wurden im KfW-Programm „Ökologisch Bauen“ im ersten Quartal 2006 sechs mal so viele Kredite zugesagt wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, sagte Mohanty. Außerdem fördern auch einzelne Kommunen den Bau von Passivhäusern. Privatleute können geeignete Förderprogramme über die Internetseite www.energiefoerderung.info recherchieren. Die Seite wird regelmäßig vom BINE-Informationsdienst in Bonn, einer vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützten Beratungseinrichtung, aktualisiert.

Familie Mildenberger hat sich den Traum vom Passivhaus bereits verwirklicht. Zusammen mit ihren Kindern bewohnen Margit und Bernd Mildenberger ein Reihenhaus mit drei Etagen und insgesamt 147 Quadratmetern. „Während der Bauphase mussten wir uns viele Späßchen von unseren Freunden anhören“, berichtet Margit Mildenberger. Inzwischen seien alle Skeptiker von ihrem Passivhaus überzeugt.

„Die Investitionen haben sich gelohnt“, sagt Bernd Mildenberger. Denn schon lange beklagen Mieterverbände die Einführung einer zweiten Miete in Form von ständig steigenden Energiepreisen. So stieg der Preis für ein Barrel Öl (159 Liter) von Mai 1996 bis April 2006 von 20 auf 72 Euro. Experten befürchten, dass die Marke noch auf 80 Dollar gehen könnte, nicht bis 2010, sondern noch in diesem Jahr. „Die steigenden Heizpreise lassen uns kalt“, sagt Margit Mildenberger.
Weitere Informationen zum Bau von Passivhäusern oder zur Renovierung von Altbauten gibt es auf der Internetseite von Hariolf Brenner unter der Adresse: www.architekt-brenner.de.

Quelle: bayern-nachrichten.de / pressbot.net

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