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a&o-Geschäftsführer Michael Müller: Dienstleistungsökonomie steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen

Michael Müller: Dienstleistungsökonomie Deutschland Kinderschuhen


Überregulierung der Wirtschaft behindert Wachstum für Serviceberufe

Bonn - Die Produktivitätsrevolution in der Industrie ist an ihr Ende gelangt. So florierend und Gewinn bringend sie einst war oder in Spezialmärkten immer noch ist, sie geht mit Riesenschritten der Vergreisung entgegen. Die wirtschaftlichen Prioritäten der Industrieländer müssen in Anlehnung an den jüngst verstorbenen Managementexperten Peter F. Drucker darin bestehen, die Produktivität in den Wissens- und Dienstleistungsbereichen zu erhöhen. „Daher sollten wir alte Industrie-Zöpfe abschneiden und uns anstrengen, damit in naher Zukunft 90 Prozent der Wirtschaftsleistung aus Dienstleistungen resultiert. Allerdings ist eine höhere Professionalität und Produktivität in den Serviceangeboten vonnöten, damit Deutschland international nicht den Anschluss verliert“, schreibt der Dienstleistungsexperte Michael Müller, Geschäftsführer der a&o-Gruppe , in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift NeueNachricht (Frühjahrsausgabe, Bestellmöglichkeit über Button auf der linken Seite der Website von NeueNachricht).

Interessante Entwicklungen zeichnen sich nach Erfahrungen von Müller besonders in den USA ab, die auf Deutschland übergreifen. „Vor kurzem haben IBM und Oracle offiziell die Service Research and Innovation Initiative (SRI) ins Leben gerufen. Das Nonprofit-Projekt wurde von den beiden Technologie-Unternehmen gegründet und soll sowohl Plattform als auch Informationspool für Service-Innovationen sein. Gemeinsam mit weiteren Technologie-Konzernen sowie Vertretern von Universitäten und Regierungsorganisationen gehen IBM und Oracle auf die steigende Wirtschaftskraft des Dienstleistungssektors ein. Das Ziel der SRI Initiative ist es, die Produktivität und Innovationskraft des Dienstleistungssektors zu verbessern, indem Methoden entwickelt und Projekte durchgeführt werden. In Kooperationen will die Initiative langfristige Forschung- und Entwicklungsbudgets aufstellen, in der Lehre sollen spezielle Kurse und Abschlüsse angeboten werden“, weiß der Dienstleistungsökonom Müller. Das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) ist eine der wichtigsten Einrichtungen der deutschen Dienstleistungsforschung und steht in engem Kontakt mit den Aktivitäten von IBM.

„Neuere Forschungen zeigen, dass Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft keine Gegensätze sind, sondern sich wechselseitig bedingen. Dort, wo innovative Konsum- und Investitionsgüter entwickelt und produziert werden, ist auch der Dienstleistungssektor stark. Und dort, wo die Bedingungen für die Entstehung innovativer Dienstleistungsunternehmen gegeben sind, ist in der Regel die industrielle Fertigung stark. Es gilt deshalb die mentale ‚Schranke’ zwischen Sachgutproduktion und Dienstleistungen zu überwinden. Dies gilt insbesondere für den wichtigen Bereich der qualifizierten unternehmensbezogenen Dienstleistungen, wie zum Beispiel Beratung, Forschung und Entwicklung oder Ingenieurdienstleistungen“, sagt Bernd Bienzeisler vom Fraunhofer IAO.

Fakt sei, dass sich im produzierenden Sektor in den vergangenen Jahren die Wertschöpfungsmuster zum Teil radikal verändert hätten. Aufgrund einer zunehmenden Komplexität von Produkten und einer wachsenden globalen Arbeits- und Wissensteilung steigt die Anzahl der in Form von Dienstleistungen in Anspruch genommenen Vorleistungen. Zum Teil würden dabei selbst Leistungen nahe am Kerngeschäft der Unternehmung ausgelagert und durch externe Dienstleister erbracht. „In manchen Ländern – wie beispielsweise den USA – sind solche Outsourcing-Prozesse weiter fortgeschritten als in Deutschland“, erläutert Thomas Pridham, Executive Director der SRI Initiative. „Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es amerikanischen Unternehmen aufgrund einer geringeren Arbeitsmarktregulierung und geringerer Kündigungsschutzrechte leichter fällt, Geschäftsbereiche auszugliedern. Deutsche Industrieunternehmen wählen hingegen eher den Weg der Automatisierung, um die Produktivität zu erhöhen. Statistisch werden die Aktivitäten dann nicht im Dienstleistungssektor erfasst.

„Das Neue an der SRI Initiative ist aus deutscher Perspektive, dass Unternehmen eine Forschungsinitiative starten, die sich nicht auf die Erforschung eines konkreten Produktes oder einer technischen Lösung beschränkt, sondern die auf eine veränderte Perspektive auf den Forschungsgegenstand selbst – in diesem Fall ‚Dienstleistungen’ – abzielt“, erläutert Müller. So sei ein wesentliches Ziel der SRI Initiative, Veränderungen in den akademischen Bildungsstrukturen zu bewirken. „Dahinter steht die Erkenntnis, dass hochqualifizierte Unternehmensdienstleistungen besondere Qualifikationen voraussetzen, die betriebswirtschaftliches, ingenieurwissenschaftliches und sozialwissenschaftliches Know-how beinhalten. IBM hat deshalb in Kooperation mit der Universität Berkeley eine ‚Services Science’ Initiative gestartet. In einem neu konzipierten Studiengang sollen unterschiedliche Kompetenzen und Qualifikationen im Sinne einer ‚Dienstleistungswissenschaft’ vermittelt werden“, so Pridham.

Die Dienstleistungsforschung habe nach Analysen von Müller inzwischen herausgearbeitet, dass Dienstleistungsinnovationen im Gegensatz zu Produktinnovationen sehr viel stärker von Fragen der Marktregulation abhängig seien. „Deutschland ist nicht weniger kreativ als die USA. Tatsache ist allerdings, dass die volkswirtschaftliche Bedeutung solcher Tätigkeiten in allen entwickelten Volkswirtschaften zunimmt“, so Pridham. Der gesamte Bereich von Bildung, Ausbildung und Innovation stellt ein wichtiges Wachstumsfeld der Zukunft dar. Um diese Potenziale zu erschließen, werden erhebliche Veränderungen in den Strukturen dieser Systeme notwendig sein, lautet die Überzeugung der SRI Initative. „Dazu zählt vor allem die in Deutschland noch nicht akzeptierte Erkenntnis, dass Wissen und Information wertschöpfende Produktionsfaktoren sind, die – wie Güter – mit Preisen versehen werden und gehandelt werden können“, resümiert Pridham.



Quelle: medienbüro.sohn / pressbot.net

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